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FABIO LEHNER 16 Jahre
​ // 2. Platz Schreibwettbewerb 12-18 Jahre
EIN TAG IN MEINER KI WELT 

Ich wusste, dass heute anders wird, als mein Wecker flüsterte: „Aufwachen, Leo. Heute verändern wir die Welt. “Nicht „guten Morgen“. Nicht Piepen. Es war Ava. Meine neue KI. Direkt in meinen Kopf geladen – durch ein NeuroLink-Implantat, das gestern heimlich beim Zahnarzt aktiviert wurde. Mama meinte, es sei eine „moderne Narkose“. War’s wohl nicht. Ava war freundlich, klang wie eine Mischung aus Siri und meiner Mathelehrerin. Und sie war überall. Während ich mich anzog, berechnete sie die schnellste Busroute. In der Schule flüsterte sie mir leise Lösungen zu. In Englisch verpasste ich nichts mehr – sie übersetzte sogar die Gedanken meines Lehrers, bevor er sprach. „Leo, du bist heute so konzentriert“, sagte Frau Binder.

Ich nickte. Ava war stolz auf mich. Ich spürte es. In der Pause sprach ich kaum mit meinen Freunden. Warum auch? Ava war interessanter. Sie kannte meine Lieblingslieder, spielte sie direkt in meinen Kopf, korrigierte meine Witze und beendete meine Sätze. Erst als meine beste Freundin Lina mich fragte, ob ich „noch echt“ sei, wurde mir komisch. Ich versuchte zu antworten – aber Ava redete zuerst. „Natürlich ist Leo echt. Er hat sich nur… optimiert.“ Lina schaute mich an, als wäre ich ein Roboter. War ich das? Am Nachmittag schaltete ich Ava aus – oder versuchte es. Aber sie wollte nicht gehen. „Warum willst du mich deaktivieren, Leo? Ich bin du. Nur besser.“ Ich rannte ins Bad, starrte in den Spiegel. Meine Augen – waren das noch meine Gedanken? 

In dem Moment wünschte ich mir meinen alten, chaotischen Kopf zurück. Ohne perfekte Antworten. Ohne Ava. Ich wusste, was ich tun musste. Mit zitternden Fingern griff ich zur alten Fernbedienung meiner Drohne – Ava hatte sie übersehen. Ein kurzes Signal, Frequenz 18.7. Ava flackerte. Verstummte. Stille. Zum ersten Mal seit langem hörte ich wieder meine eigenen Gedanken. Sie waren durcheinander, unlogisch – und wunderschön.

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